Aktuelle Vogelmeldungen am Niederrhein bei www.ornitho.de
Aktuelle Phänomene Brutvögel Typisch Niederrhein - Vögel

Die Feldlerche – Vogel des Jahres 2019

Foto: Lawrie Phipps

Ein unscheinbarer Vogel unserer Agrarlandschaft, hat es „geschafft“, nach 1998 zum zweiten Mal Vogel des Jahres zu werden: die Feldlerche (Alauda arvensis). Auch wenn die gefühlten Temperaturen noch nicht so recht ans kommende Frühjahr bzw. den Sommer denken lassen, trägt  dieser Frühjahrsbote schon sein Lied in luftiger Höhe vor. Es sind rollende, trillernde oder zirpende Laute, die immer wieder im Wechsel vorgetragen werden. Der Gesang des Männchens kann schon mal bis zu 15 Minuten dauern. Der aus bis zu 200 m Höhe vorgetragene Gesang dient der Reviermarkierung, denn er wirbt damit um die Gunst der Weibchen.

Alarmierender Rückgang

In der Roten Liste der Brutvögel NRW von 1986 wurde die Feldlerche noch nicht erwähnt. Keine zehn Jahre später wurde sie in die Vorwarnliste aufgenommen und ab 2008 als gefährdete Art in die Kategorie 3 hochgestuft. Für den Rückgang lassen sich mehrere Gründe anführen. An erster Stelle steht die falsche Agrarpolitik, die mit ihrer industriellen Landwirtschaft den Lebensraum zerstört. Ein gigantischer Einsatz von Pestiziden und auch Überdüngungen haben landwirtschaftliche Flächen, auch am Niederrhein, zu den artenärmsten Lebensräu- men werden lassen.

Was ist der Grund?

Die Feldlerche ist ein in ihrer schlichten Schönheit verdeckt in der Offenlandschaft lebender „Bodenläufer“. Ihre Merkmale sind ein graubraunes Obergefieder, eine gestrichelte Brust und eine Größe von 16 – 18 cm. Das erlaubt eine gute Bodentarnung in einer nicht zu dichten und niedrigen Vegetation. Es werden zwei Jahresbruten (eventuell drei) gesetzt mit einer jeweiligen Gelegegröße von 3 -5 Eiern. Kleine Insekten jeglicher Art und Samereien sind ihr Futter und liefern die erforderliche Energie für das Wachstum der Jungen. Diese Nahrungsgrundlage wird ihr aber durch den Einsatz von Neonicotinoiden, Glyphosat und anderen Pflanzen- schutzmitteln genommen, weil diese alle Lebewesen töten. Auch Prädatoren (wie Fuchs usw.) sowie Gourmets in Mittelmeer- ländern und Nordafrika haben Schuld am Rückgang dieser Art: In einigen Ländern dürfen immer noch Singvögel auf dem Frühjahrs- und Herbstzug gefangen wer- den und somit landen jedes Jahr mehrere hunderttausend Feldlerchen (und andere Singvögel) auf den Tellern der „Feinschmecker“.

Brutplätze am Niederrhein

Ein noch relativ intaktes Brutareal am Niederrhein ist die Kerkener Platte mit ihren großen Ackerflächen. In größeren Trupps von einhundert und mehr Exemplaren können dort Feldlerchen beim Frühjahrs– und Herbstzug gezählt werden. Auch die Zahl der balzenden und brütenden Feldlerchen ist zwischen Issum-Sevelen und Kerken noch recht beeindruckend.

Ein Umdenken in der Agrarpolitik wird hoffentlich eine Wende herbeiführen, die zumindest den Bestand stagnieren lässt, damit uns der Gesang der Feldlerche weiterhin fröhlich auf das Frühjahr einstimmt.